Zépé's Virtuelles Muminforschungszentrum
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Muministischer Rundbrief Mai 2005

Date: Thu, 19 May 2005 21:09:04 +0200

Und wieder einmal ein herzliches Hej an alle Muminfreundinnen und -freunde!

Ohne lange Vorrede:

Arena-Taschenbuchausgabe komplett

Es ist vollbracht – der deutsche Sprachraum hat endlich wieder eine komplett verfügbare Ausgabe aller Muminbücher. Ein dickes Lob an den Arena-Verlag in Würzburg, der seit 2001 dieses Vorhaben ins Werk setzte und nun mit den »Geschichten aus dem Mumintal« ([GM]) den letzten Band in neuer Übersetzung herausbrachte – wobei es sich nicht um das sinngemäß letzte der neun Muminbücher handelt.

Eine Inhaltsangabe des Buches steht seit eh und je im Virtuellen Muminforschungszentrum auf der Seite http://www.zepe.de/mumin/mbgm.php – hier sei nur kurz daran erinnert, dass dieses Buch eine Sonderstellung einnimmt, da es statt einer fortlaufenden Handlung neun voneinander unabhängige Episoden erzählt, die sich nicht alle um Mitglieder der Muminfamilie drehen; es sind meisterhafte psychologische Kurzstudien, die behutsam und in stillen Tönen von individueller Wandlung/Heilung/Wachstum unter den verschiedensten äußeren Umständen berichten. Bücher dieser Art – nur dann in der Menschenwelt – schrieb Tove Jansson später noch mehrere, wie z. B. das »Sommerbuch« und »Die Puppenstube«.

Das vorliegende Buch [GM] wurde wie die anderen auch von Birgitta Kicherer neu ins Deutsche übersetzt. Dies ist überwiegend trefflich gelungen. Hin und wieder fragt man sich nach dem Grund einiger Übertragungsdetails (weswegen wurde die Kapitelüberschrift »En hemsk historia« zu »Ein schrecklicher Tag« statt zu »Eine schreckliche Geschichte«?), aber so etwas fällt dem normalen Leser nicht unangenehm auf, und ich bin gerne bereit, solche Spitzfindigkeiten angesichts des flüssigen und angemessenen Sprachstils unter den Tisch fallen zu lassen.

Ein Thema,das ich beim Rezensieren dieser Taschenbuchreihe immer wieder anreißen musste, war die deutsche Namensgebung von Nebenfiguren durch die Übersetzerin, welche ich einige Male doch recht eigenmächtig fand. In diesem Buch ist B. Kicherer erstmals in einem solchen Fall näher an der schwedischen Vorlage als die erste Übersetzerin Dorothea Bjelfvenstam: im letzten Kapitel wird der schwedische »Knytt« (etwa: Winzling) zu einem wortgetreuen »Knütt«, während er in der älteren Übertragung noch ein »Mock« war. Da kann man doch sehr zufrieden sein.

An der Ausgabe des Buches ist leider mehr auszusetzen. Zwar ist die Wiedergabe der Bilder technisch ordentlich, aber es fehlen einige von ihnen. Besonders die Zeichnung des lachenden, wieder sichtbar gewordenen unsichtbaren Kindes Ninni vermisse ich schmerzlich, handelt es sich hier doch um die Titelfigur der schwedischen Originalfassung. Ferner müssen einige Kapitel den Verlag erst kurz vor Drucklegung erreicht haben, denn sie haben unnötig viele Satzfehler.

Aber unterm Strich ist das Erscheinen dieses Buches auf jeden Fall ein Festtag für die Mumin-Gemeinde. Nun endlich steht die große Aufgabe für uns alle, nämlich die empfindsamen Geister in unserer jeweiligen Bekanntschaft mit dem jeweils passenden Muminbuch zu ködern, auf einer soliden editionstechnischen Grundlage – an die Arbeit :-) !

Zwei neue Comicbände

Der »Schildts förlag« in Helsinki hat vor kurzem endlich die Gesamtausgabe der originalen Mumincomics mit den Bänden 13 und 14 fortgesetzt. Wenn es in diesem Tempo weiter geht, braucht die Vollendung der Reihe überschlagsweise noch etwa 20 Jahre... Hoffen wir, dass sie sich ein Herz fassen und den Rest etwas zügiger angehen.

Versammelt sind hier die Geschichten C39 »Mumin und das Fernsehen«, C46 »Frühlingsgefühle«, C56 »Ritter Mumin« und C59 »Misas Wiederkehr«, sämtlich von Tove Janssons Bruder Lars und natürlich in schwedischer Sprache. Einzig die letztgenannte Geschichte ist schon mal auf deutsch erschienen, nämlich als 16. und letzte Folge der Bastei-Reihe Anfang der 1980er-Jahre unter dem Titel »Alles Gute kommt von oben«. Eine Kuriosität am Rande ist, dass diese Episode im Original irgendwie abrupt, ohne richtigen Schlussstreifen, abbricht und unvollständig wirkt. Dies deckt sich mit der Quellenlage. In der deutschen Ausgabe bei Bastei wurde allerdings seinerzeit ein Schlussbild mit einer abschließenden Moral hinzuerfunden.

Die Beschreibungen aller dieser Episoden habe ich bereits im Virtuellen Muminforschungszentrum untergebracht, sie sind über die Seite »Mumin-Comics von Lars Jansson« (http://www.zepe.de/mumin/coml.php) zu erreichen.

Gelungenes Vorbild muministischer Infiltration

Eine sehr schöne und beispielhafte Tat ist mit einer Veröffentlichung unseres Mitmuministen Otto Ziegler geschehen, der in der glücklichen Lage ist, Herausgeber einer Zeitschrift zu sein, nämlich des Mitarbeitermagazins »P28« des Bayerischen Wirtschaftsministeriums. Als solcher platzierte er geschickt einen Mumin-Artikel, der auch auf meiner Website heruntergeladen werden kann (P28mumin.pdf, 156 kB). Hiermit nun ergeht ausdrücklich mein Aufruf an alle anderen, die ein Print- oder sonstiges Medium zu infiltrieren haben, dieses schamlos auszunutzen – was die Donaldisten im Falle des FAZ-Feuilletons können, muss auch uns möglich sein...

Mumin-Spiel der Augsburger Puppenkiste weiterhin nicht erhältlich

Und gleich noch ein Aufruf: Unser Mitmuminist Ulrich Joosten hatte Kenntnis von einer »geplanten und dann doch aus lizenzrechtlichen Gründen wieder verschobenen DVD-Ausgabe der Mumins aus der Augsburger Puppenkiste«. Er fände es, wie bestimmt viele hier, einen »Jammer, wenn es nicht dazu käme, diese Gemmen wieder zu veröffentlichen« und fragt: »Könnte die Mumin-Homepage (oder der Newsletter) nicht dazu aufrufen, E-Mails an den Lighthouse-Verlag zu senden und Interesse zu signalisieren?« Dies sei hiermit getan ;-)

Fotos des Mumintal-Parks Naantali, Finnland

... sind, geschossen vom Fotografen Tauno Vintola, im Internet zu bewundern:

http://www.vintola.fi/

Sind wir Hemule?

Im Forum des Virtuellen Muminforschungszentrums ist ja nie so ganz viel los; immerhin, ab und zu entwickelt sich fast so etwas wie ein kleiner Dialog. Ein Schreiber mutmaßt, dass unter den MuminfreundInnen die Hemule in der Überzahl sind, die eifrig ihre Muminalia zusammensammeln, aber zur Kommunikation untereinander nur unzureichend gewillt oder gar fähig sind. Starker Tobak ;-) ! Ich selbst kann den Hemul in mir nicht so ganz verleugnen. Aber wer der genannten Theorie widersprechen (oder beipflichten) möchte, am besten unter begründeter Angabe der bevorzugten Muminwelt-Figur, kann dies gerne im Forum tun – ich bin gespannt.

Damit für dieses Mal die besten muministischen Grüße!

Christian »Zépé« Panse

PS. Wer diesen Brief künftig nicht mehr erhalten will, oder aber jemanden kennt, der ihn dringend braucht: E-Mail genügt!

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