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Muministischer Rundbrief März 2010

Date: Wed, 24 Mar 2010 07:14:27 +0100

Liebe Mumin-Freunde und -innen,

die Bewohner des Mumintals erwachen so langsam aus ihrem Winterschlaf, und da fühle ich mich auch in der Lage, langsam mal wieder einen Rundbrief in die Welt zu senden. Wie immer gilt: sollte meine hemulische Akribie jemanden auf die Verteilerliste gesetzt haben, der da gar nicht sein möchte: kurze Absage genügt. Im Gegenzug freue ich mich natürlich auch über jede neue Empfehlung eines willigen neuen Empfängers. Nun geht's los.

Mumins 65. Geburtstag?

So rechnen manche, weil das erste Buch von den kleinen Trollen 1945 herauskam. Daher haben Bulls Press und Oy Moomin Characters, die langjährigen Sachwalter der Muminwerke in aller Welt, eine Jubiläums-Website herausgegeben:

http://www.moomin65.com/

Sympathisch scheint mir, dass das Hauptereignis der Feierlichkeiten ein Malwettbewerb ist – anstelle irgendwelcher kommerzieller Gewaltakte, oder was man bei anderen Fantasiewelten sonst noch zu befürchten hätte. Außerdem wird eine Verbindung zum WWF und damit dem Schutz der Natur im Allgemeinen sowie dem der Ostsee im Besonderen gezogen. Dass der Mumintroll bereits Ende der 1930er-Jahre Gestalt anzunehmen begann, möchte man da kaum noch besserwisserisch ins Feld führen...

Muminausstellung in Brüssel

Es mag mit dem Vorigen zusammenhängen oder nicht, auf jeden Fall findet derzeit in Brüssel eine Muminausstellung statt. Kuratiert hat sie der Londoner Publizist Paul Gravett, der schwerpunktmäßig vom Comic herkommt. Viele besondere Materialien sind in der Ausstellung zu sehen, zum Teil erstmals: Skizzen, Originale, Bei-Illustrationen, Cover-Art, ... Wer bis Ende August in Brüssel vorbeikommt, sollte sich einen Besuch echt überlegen, meine ich – die Darstellung im Internet sieht sehr attraktiv aus:

http://www.paulgravett.com/index.php/articles/article/moomin/

Dass der Kurator sich auch sonst gut und gerne mit Tove Jansson auseinandersetzt, merkt man auch einem anderen Artikel von ihm an:

http://www.paulgravett.com/index.php/articles/article/tove_jansson/

Filmische Verwirrungen

Nicht alle, mich eingeschlossen, haben es gleich bemerkt: es gibt einen neuen Muminfilm – aber gibt es einen neuen Muminfilm? Selbst auf deutsch ist er schon vor Monaten im Handel erschienen, Titel: »Die Mumins – Verrückte Sommertage im Mumintal«. Herausgeberin ist die finnische Oy Filmkompaniet Alpha:

http://www.filmkompaniet.fi/

Die speziell dem Film gewidmete Internetadresse

http://www.originalmoomin.com/

ist allerdings durch die unsägliche Silverlight-Technologie verseucht – wer dazu Lust hat, bitte sehr; ich verzichte allerdings dankend darauf, meinen Rechner durch immer neue Programm-Module größenwahnsinniger Softwarekonzerne zu gefährden.

Beim Betrachten des Films fällt schnell auf, dass die Bilder überhaupt nicht neu sind: es handelt sich um die gute alte Puppentrickserie österreichisch-polnischen Ursprungs (1977-82, besprochen im Rundbrief vom Oktober 2004). Diese erschien seinerzeit in kurzen Episoden, deren mehrere hier nun zu einem zusammenhängenden Film vereint wurden (die »Sturm im Mumintal«-Geschichte). Die Bilder wurden digital aufgefrischt, aber sonst nicht verändert. Was getan wurde: auf Basis der originalen Muminbücher schrieb und sprach man neue Dialoge, im Gegensatz zur ursprünglichen Ein-Erzähler-Technik.

Ob das ausreicht, um von »neuem Film« zu sprechen – da gehen die Meinungen sicherlich und berechtigterweise auseinander. Was ich zu bedenken geben möchte, ist, dass die Jansson-Geschwister seinerzeit bei der Urfassung relativ eingehend beraten hatten, daher stellt diese neuerliche Überarbeitung ein ungewisses Sich-Entfernen von deren Intentionen dar, oder?

Aber während ich hier schreibe, steht der nächste »neue« Muminfilm bereits so gut wie in den Startlöchern: es kommt der »Komet«-Stoff (KM) an die Reihe, im September soll er hier und da schon zu sehen sein, und die isländische Pop-Ikone Björk steuert offenbar einen Song dazu bei:

http://bjork.com/news/?id=955;year=2009

Und als ob das noch nicht genug wäre, werden diesmal die Überarbeitungsrechner auf die nachträgliche Erzeugung eines dreidimensionalen Kinoerlebnisses hin angesetzt:

http://www.slashfilm.com/2009/11/18/new-moomin-movie-in-3d-music-from-bjork/

Das ist eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass die Vorlage mit ihren halb-erhabenen Filzfiguren nur so zirka zweieinhalb Dimensionen hatte. Neue Technologien sind ja leider gerne öfter mal zunächst Selbstzweck...

Bastelbogen

Während auf den Muminstoff also die Hightech-Maschinerie losgelassen wird, um ihm weitere (kassemachende?) Erlebnisqualitäten abzutrotzen, vergnüge ich mich mit einem ganz traditionellen Fund, der mal wieder wie zufällig meinen Weg kreuzte. In einer schwedischen Illustrierten aus dem Jahre 1968 fand ich einen von Tove Jansson selbst gestalteten Bastelbogen des Muminhauses. Ein Bild meines Schnippel- und Klebeversuchs hängt diesem Rundbrief an – ich habe natürlich eine Farbkopie auf Karton verwendet, das Original liegt im Safe ;-) ! Der Bogen selbst wird demnächst in der jüngst neu eröffneten Abteilung »Andere Muminwerke« unter

http://www.zepe.de/mumin/ande.php

genauer vorgestellt.

Die klugen und die törichten Jungfrauen

Um mal etwas über den Tellerrand der reinen Muministik zu schauen: 1953 erstellte Tove Jansson ein Wandgemälde für die Kirche der kleinen Ortschaft Östermark (finnisch Teuva), das das biblische Gleichnis von den klugen bzw. törichten Jungfrauen darstellt. Dieses Gemälde ziert heute als grafisches Hauptbanner die Webpräsenz der Gemeinde:

http://www.teuvanseurakunta.fi/fi/content/toimitilat

Inzwischen war jemandem das Wandbild sogar die Erstellung einer eigenen Internetseite wert:

http://www.toveteuvalla.fi/tove-teuvalla

Jesus höchstpersönlich in der Bildmitte war für Tove Jansson wohl ein Anlass, für dieses Mal auf etwaige halbwegs versteckte Mumintrolle zu verzichten. Ganz abwegig ist die Anfertigung sakraler Kunst für sie nicht: immerhin war der Vater ihrer Mutter Hofprediger in Schweden, und auf dessen bewaldetem Anwesen am Meer erlebte sie in ihrer Kindheit jene glücklichen Sommer, in denen sich später das Mumintal widerspiegeln sollte. Das erste Kapitel des autobiographischen Episodenromans »Die Tochter des Bildhauers« (1968 / E68) erzählt hiervon, und auch von der religiös geprägten Grundstimmung in der Nähe des Großvaters.

Damit verabschiedet sich bis zum nächsten Mal
  mit den besten muministischen Grüßen

Zépé oder auch Christian

Rundbrief

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